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"Die Entscheidung unser zweites Kind im Geburtshaus zu bekommen fiel nach einem Info-Abend in der 25.SSW. Wir hatten mit Strickpulli- und Räucherstäbchen-Athmosphäre gerechnet (sorry) und waren absolut positiv überrascht über die sympathische Bodenständigkeit. Auch bei den drei Vorsorgeterminen im Geburtshaus bestätigte sich dieser Eindruck.

Und am Ostermontag hatte es unser Kind dann wohl eilig, freundlicherweise hat sie noch bis zur 37.Woche gewartet und uns allen damit eine Klinikgeburt erspart. Da wir nicht wußten wer an den Feiertagen Bereitschaft hat (ich hatte mich so früh nicht darum gekümmert) und Franzi Urlaub hatte, rief ich auf gut Glück bei Gesche an. Die erste Geburt lag doch schon viereinhalb Jahre zurück, deshalb war ich mir über die Symptome einer sich ankündigenden Geburt nicht mehr ganz so sicher. Ich hatte sehr unregelmäßige Wehen, die einfach anders waren als ein normales Hartwerden des Bauchs. Gesche bot uns gleich an zur Untersuchung ins Geburtshaus zu kommen, auch um dort Julia kennenzulernen. Also Auto gepackt (zu so einer Geburt braucht man ganz schön viel Gepäck, vor allem wenn man wie ich alle Eventualitäten mit einplant), die künftige große Schwester zu Oma und Tante gebracht und um 20 Uhr das Geburtshaus erreicht.

Da wir Gesche bisher nur vom Info-Abend und Julia noch gar nicht kannten, waren wir froh, daß uns beide gleich auf Anhieb sehr sympathisch waren. Und es war ein gutes Gefühl nach der Untersuchung durch Julia ( MM 3cm) zu erfahren, daß wir voraussichtlich noch in dieser Nacht ein Kind bekommen würden. Aber erstmal fuhren wir wieder nach Hause, eigentlich ganz entspannt aber mit leicht nervöser Vorfreude. Erst als die Wehen begannen in die Oberschenkel auszustrahlen, erinnerte ich mich dunkel an meine erste Geburt (puh). Ich hatte mir in den Wochen vorher oft Gedanken darüber gemacht, ob wir den richtigen Zeitpunkt zur Abfahrt nach Ammerbuch finden würden, immerhin sind es doch 40 Minuten Fahrt. Aber es war tatsächlich so, daß man den richtigen Zeitpunkt spürt. Bei uns waren weniger die kürzer werdenden Wehenabstände, bei ca.5 Minuten, ausschlaggebend, als das Gefühl jemanden um sich haben zu wollen der sich auskennt. Julia hatte sich auch noch nicht schlafen gelegt als wir sie um 23.30 Uhr über unseren Aufbruch in Richtung GH informierten, sie hatte damit gerechnet. So wurden wir um kurz nach Mitternacht sehr lieb von Julia begrüßt.

Die ganze Athmosphäre war ruhig, entspannt und völlig streßfrei. Ich bekam eine Kreuzbeinmassage mit Lavendelöl, viel Zeit und das absolute Gefühl alles genau richtig zu machen. Nachdem ich bisher die meisten Wehen im Stehen veratmet hatte, kniete ich danach die meiste Zeit und stützte mich auf die Beine meines Mannes. Sehr schön waren immer mal in den Wehenpausen die gallopierenden Pferdchen durchs mobile Herztongerät (heißt das so?) zu hören. Danke an Franzi, ich habe immer genau darauf gehört ob sie schön über die Wiese gallopieren oder gar stampfen. Wir hatten alle Zeit der Welt, inzwischen war es halb zwei, der MM bei 6 cm, die Wehen, alle 4 Min, ziemlich fies in den Oberschenkeln, brachten uns langsam immer näher ans Ziel. Gesche war inzwischen im GH eingetroffen, was wir aber nur am Rand mitbekamen.

Um zwei stieg ich dann in die Wanne, schon meine erste Geburt hätte eine Wassergeburt werden sollen, aber manchmal läuft eben alles anders als geplant. Und schlagartig wußte ich wieder warum die Wanne. Für mich sind Wehen an Land ungleich schwerer auszuhalten und zu veratmen als im warmen Wasser. Da ich die geplante Wassergeburt zuvor mit Julia besprochen hatte, brachte diese sich gleich Ersatzklamotten mit. Beim Herztöne prüfen wurde sie leider etwas naß. Nach wie vor gallopierten die Pferdchen, unserem Kind ging es sehr gut, es war auf dem Weg.

Julia war präsent, aber angenehm zurückhaltend, sie war einfach da, gab uns Anregungen andere Positionen zu versuchen (die Wanne ist sehr groß, Vierfüßler, knien, sitzen, hängen,..) und einfach ein sicheres und gutes Gefühl. Toll war das Tuch über der Wanne, ich konnte mich während der Wehen richtig dranhängen. Und langsam ging es ans Eingemachte, die Abstände zwischen den Wehen wurden kürzer, die Verschnaufpausen dadurch auch.
Als ich an den unausweichlichen Punkt kam an dem ich schlichtweg keine Lust und mehr hatte, erinnerte mich Julia daran, daß dies der Zeitpunkt ist,
nach dem es nicht mehr lange dauern kann. Das gab mir neue Energie. Ich hatte das unbedingte Bedürfnis dem Druck nachzugeben und unser Kind endlich nach draußen zu schieben, aber nach einer kurzen MM - Untersuchung bat Julia mich noch kurz durchzuhalten,er war noch nicht ganz vollständig offen. Darauf folgten die anstrengendsten Minuten der ganzen Geburt. Erlösend war nach einiger Zeit das Untersuchungsergebnis von Julia, sie meldete MM vollständig. Jetzt hielt uns nichts mehr. Julia verständigte Gesche, daß die Geburt kurz bevor stand.

Ganz kurz machte ich mir Gedanken darüber, ob in der Wohnung über dem GH jemand durch mein Stöhnen am Schlafen gehindert wurde, Julia wischte diese Sorgen aber schnell weg. Schließlich hatte ich besseres zu tun. Zwischen zwei Wehen (ich hatte diesen Teil einer Geburt tatsächlich erfolgreich verdrängt, gut so), bat Julia mich eine andere Position einzunehmen um unserem Baby die letzte Drehung etwas zu erleichtern. Ich war sehr froh von der ersten Geburt zu wissen, daß es möglich ist

- daß ein ganzes Kind da durchpaßt, aber es war trotzdem wieder unvorstellbar. Nach einer, zwei, drei(?) Preßwehen, der Kopf war da, bat mich Julia nachzufühlen. Ich erwartete Haare, stattdessen war die Fruchtblase noch intakt, aber noch bevor ich Zeit hatte darüber nachzudenken kam die nächste Wehe und sie war da!! Um 3.53 Uhr! Vor Anstrengung hatte ich leider die Augen geschlossen, so sah ich unseren Frosch nicht anschwimmen, Julia hob sie langsam aus dem Wasser und legte sie mir auf den Bauch. Wir waren absolut hin und weg, sie quakte kurz und schaute nur.

Daß sie ein Mädchen ist wußten wir die ersten Minuten noch nicht. Es war auch völlig egal. Unser Baby war da, die Geburt war geschafft, alles hatte super geklappt, wir hatten ein Baby, das Geschlecht interessierte uns erstmal nicht. Die Nabelschnur durfte auspulsieren und wurde dann vom Papa durchtrennt. Nach 15 Minuten kuscheln in der warmen Wanne stand ich, gestützt von Julia und Gesche auf. Papa und Tochter, eingekuschelt in unsere Handtücher folgten uns vom Bad zum Bett. Nach weiteren 15 Minuten kam nach einer kurzen Wehe die vollständige Plazenta. Besonders gefreut hat mich, daß der Damm bis auf ein paar kleine Schleimhautrisse gehalten hat. Während unsere Tochter genüßlich und hingebungsvoll das erste mal in ihrem Leben an meiner Brust saugte, wurden die Risse nach einer Betäubung mit einem Spray von Julia genäht. Es war sehr schön, daß unser Kind im Gegensatz zu den Erfahrungen im Krankenhaus erst nach dem ersten Anlegen, nach ausgiebigem Kuscheln und dann auf meinem Bauch vermessen wurde.

Wieder hatten wir das Gefühl unendlich viel Zeit zu haben. Zwei Stunden nach ihrer Geburt wurde unsere Tochter von uns gewickelt und angezogen. Und während sie und ihr Papa unendlich müde waren schlugen meine Endorphine Purzelbäume, an Schlaf war nicht zu denken, ich war high. Um 7 Uhr frühstückten wir gemütlich mit Gesche und Julia, bestaunten alle gemeinsam den kleinen schlafenden Menschen und fuhren nach einer sehr herzlichen Verabschiedung um kurz nach 8 Uhr, vier Stunden nach der Geburt zu dritt nach Hause.

Es war Dienstag, wunderschönes Wetter und ich hatte bei der Einfahrt in unser Dorf das Gefühl aus dem Urlaub nach Hause zu kommen. Dieses absolute Hochgefühl hielt bei mir noch einige Stunden an, schlafen konnte ich erst gegen Nachmittag. Noch im Auto hatten wir die frischgebackene große Schwester angerufen, schon um 10 Uhr lagen wir zu viert in unserem Bett. Wegen der Entfernung zum GH hatte ich, abgesprochen mit Franzi die Nachsorge durch meine Hebamme Silke, bei der ich auch den Geburtsvorbereitungskurs besuchte, organisiert. Wir hatten sie bereits am Abend vorher, nach unserem ersten Untersuchungstermin im GH angerufen und informiert. Silke kam um 12 Uhr um uns zu beglückwünschen und nach uns zu sehen. Uns ging es allen sehr gut, wir waren zwar müde aber glücklich!

Seit der Geburt im GH sind nun einige Monate vergangen, wir sind nach wie vor begeistert. Besonders gefallen hat uns die ruhige, besonnene Athmosphäre, die Gelassenheit und wir fühlten uns die ganze Zeit über sehr sicher.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Hebammen des Geburtshaus in Ammerbuch, ganz besonders bei Julia. Ihr habt uns eine wunderschöne Geburt und unserer Tochter den besten Start ins Leben ermöglicht. Wir hoffen, daß diese Erfahrung noch viele mit uns teilen dürfen.

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